Wenn die Liebe schwankt- Symptome und Phasen einer Beziehungskrise

Streitigkeiten häufen sich, man erkennt den Anderen nicht wieder, die Beziehung scheint festgefahren. Krisen machen vielen Menschen Angst und sie fragen sich, ob das schon das Ende ihrer Beziehung bedeutet. Und wie es soweit kommen konnte. 

Wir verraten, wie man Beziehungskrisen erkennt, welche Beziehungsphasen besonders kritisch sind und weshalb Krisen nicht die eigentliche Bedrohung sind. 

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Eine Beziehungskrise erkennen

So individuell wie wir Menschen, sind auch unsere Beziehungen. Es gibt eine Fülle von Gründen, die zu Beziehungsproblemen und Krisen führen können. Trotzdem gibt es drei allgemeine Warnzeichen, die uns aufhorchen lassen sollten.

1. Mangelnde Intimität

Viele Paare sind im Alltag, beispielsweise durch Berufsleben oder Elternschaft, mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert und haben den Eindruck, permanent im Einsatz sein zu müssen. Dieser Stress führt häufig dazu, dass die Partner verlernen, miteinander zu sprechen. Ihre Kommunikation bezieht sich ausschließlich auf die Regelung alltäglicher Belange, aber es findet kein wahrhaftiger Austausch statt. Paare beginnen, aneinander vorbei zu leben, Vertrauen und Verbundenheit sinken. 

2. Mangelnde Leidenschaft

Gerade in längeren Partnerschaften bleibt die Leidenschaft häufig auf der Strecke. Man kennt den Anderen so gut, dass man nicht mehr aufgeregt ist, wenn man ihn sieht. So weit, so normal. Kritisch wird es nach Meinung führender Paartherapeuten dann, wenn auch das Gefühl, den anderen attraktiv und anziehend zu finden, schwindet und das Bedürfnis nach Sexualität nicht mehr befriedigt wird.

3. Mangelnde Verbindlichkeit


Sich auf den Anderen einzulassen gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen, um eine neue Partnerschaft zu beginnen. Manche Menschen tun sich damit aufgrund vergangener Bindungserfahrungen besonders schwer. Schaffen sie es nicht, diese Erfahrungen mit ihrem neuen Partner zu überwinden, kann sich auch die Beziehung nicht weiter entwickeln. Und auch im Laufe einer Partnerschaft müssen sich beide immer wieder bewusst füreinander entscheiden und neue Verbindlichkeiten eingehen. Unterschiedliche Zukunftsvorstellungen wie ein einseitiger Kinderwunsch können dabei zum Beziehungsproblem werden.  

Viele sorgen sich, eine Krise erst zu bemerken, wenn es für die Beziehung schon zu spät ist. Diese Sorge ist nachvollziehbar, denn Liebe ist ein Zustand, der sich in kontinuierlicher Entwicklung befindet und eben kein Gegenstand, der entweder da oder weg ist. Liebe ist außerdem ein Gefühl, dessen man sich im Alltag nicht permanent bewusst ist. Und gerade, wenn die Beziehung schwierig ist, ist man sich vielleicht nicht mehr sicher, was man noch für den anderen fühlt. 

Der erste Schritt, um eine mögliche Beziehungskrise nicht zu übersehen ist, sich in regelmäßigen Abständen die Beziehung anzuschauen und - im Idealfall zusammen mit dem Partner- den gemeinsamen Alltag zu reflektieren. Ein gute Methode hierfür ist ein regelmäßig stattfindendes Feedbackgespräch. Eine praktische Anleitung für konstruktive Paargespräche haben wir hier bereitgestellt.


Phasen einer Beziehungskrise oder der steinige Weg zu wahren Liebe 

Auch wenn häufig von Phasen einer Beziehungskrise die Rede ist, ist das nicht ganz richtig. Es ist vielmehr die Paarbeziehung, die unterschiedliche Phasen durchläuft, von denen manche als besonders krisenhaft empfunden werden können. Kritische Lebensereignisse wie die Geburt eines Kindes, der Beginn eines neuen Jobs, Arbeitslosigkeit oder Krisengeschehnisse wie aktuell durch das Corona-Virus (Covid-19) erlebt, können zur Beziehungsprobe werden. Dabei macht es durchaus einen Unterschied, wie stabil eine Paarbeziehung im Allgemeinen ist. Wie bei einem Hausbau kommt es auf das Fundament an, auf dem eine Beziehung steht. Wichtige Pfeiler sind dabei gegenseitige Unterstützung, Zuwendung und ein starkes „Wir“-Gefühl. Wie sich das entwickelt, lässt sich anhand der

5 Phasen der Liebe

nachvollziehen:


1. Die Verliebtheitsphase

Die erste Phase ist von intensiven Gefühlen und den sprichwörtlichen „Schmetterlingen im Bauch“ gekennzeichnet. Es ist die Zeit, in der wir glauben vor lauter Gefühlen überzusprudeln und in der die schönsten Liebeslieder entstehen. Unser Partner steht im absoluten Fokus unserer Aufmerksamkeit und ist der Mittelpunkt unseres Lebens. Wenn die Verliebtheit langsam nachlässt, kommt es vor allem bei jungen Paaren häufig zur Trennung. 

2. Die Verliebtheit weicht der Realität

Nun wird die Beziehung auf eine erste Probe gestellt. Wir nehmen die rosarote Brille ab und plötzlich sehen wir unseren Partner realistischer. Uns wird bewusst, dass er vielleicht doch nicht so perfekt ist wie vorher angenommen. Schlechte Eigenschaften und Unterschiede treten plötzlich deutlich zu Tage. Es wird viel kritisiert und gestritten, im Idealfall aber auch Kompromisse geschlossen. 


3. Bekämpfung der Gegensätze

Die dritte Phase zeichnet sich durch intensive Machtkämpfe aus. Hier versucht man den anderen nach seinen Vorstellungen zu formen und zu verändern. Übersteht eine Partnerschaft diese Phase,  akzeptiert man seinen Partner am Ende so wie er ist.


4. Nähe und Distanz

Man kennt den Partner bereits sehr gut, versteht und akzeptiert ihn. Die Herausforderung liegt nun darin, ein Gleichgewicht zwischen Distanz und Nähe zu finden, das beide als stimmig und befriedigend erleben. Wieviel „du“ und „ich“ kann neben dem „wir“ bestehen?


5. Der Andere als Zuhause 

In der letzten Phase ist man bei dem anderen „angekommen“. Ihr habt gemeinsam Höhen und Tiefen erlebt und eine tiefe, wahrhaftige Beziehung erschaffen. Der andere ist untrennbar Teil des eigenen Lebens, gemeinsam plant man die Zukunft. 

Beziehungsprobleme und Krisen sind also Bestandteil jeder Paarbeziehung und es ist wichtig und berechtigt, sich in Krisenzeiten mit der Option einer Trennung auseinanderzusetzen. In den meisten Fällen kommt es allerdings zur Trennung, bevor die letzte Phase der Liebe überhaupt erreicht wurde. Das zeigt, dass nicht die Krisen oder die Beziehungsprobleme die eigentliche Gefahr darstellen, sondern vielmehr die Vorstellung, dass eine Beziehung ein Selbstläufer zu sein hat.


Traut man sich jedoch, auch in schwierigen Phasen gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wird dieser lange Atem am Ende belohnt.


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Literatur zum Weiterlesen:

Mira Kirshenbaum (2010). Ich will bleiben. Aber wie?: Neuanfang für Paare. Fischer